Salesforce setzt bei der Durchführung seiner Geschäftsprozesse stark auf künstliche Intelligenz. CEO Marc Benioff bestätigte, dass die Technologie mittlerweile 30 bis 50 Prozent der gesamten Arbeit des Unternehmens übernimmt.
Im Gespräch mit Emily Chang von Bloomberg sagte Marc: „Wir alle müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass KI Dinge erledigen kann, die wir vorher selbst erledigt haben, und dass wir uns dann höherwertigen Aufgaben zuwenden können.“
Laut CNBC verfahren Technologieunternehmen branchenweit gleich. Sie reduzieren ihre Belegschaft, senken Kosten und lassen KI die entstandenen Lücken füllen. Klarnas CEO, Sebastian Siemiatkowski, erklärte, das Unternehmen habe seine Belegschaft um 40 % verkleinert und verwies dabei direkt auf Investitionen in KI.
Auch bei Amazon erklärte Andy Jassy, dass mit der zunehmenden Automatisierung Stellen wegfallen werden. CrowdStrike verfolgt denselben Ansatz. Alle streben nach Geschwindigkeit und Kosteneinsparungen, selbst wenn dies den Abbau von Arbeitsplätzen bedeutet.
Marc sagt, die KI sei zu 93 % genau, aber nicht fehlerfrei
Marc nennt dies eine „digitale Arbeitsrevolution“. Er behauptet, von Salesforce liefen mittlerweile mit einer Genauigkeit von 93 %, doch er gibt nicht vor, perfekt zu sein. „Das ist ziemlich gut“, sagte er, aber 100 % seien unrealistisch. Er fügte hinzu, dass Konkurrenzunternehmen weit von diesem Niveau entfernt seien, da sie nicht über die Art von Daten und Metadaten verfügten, die Salesforce besitze. Damit unterstreicht er unmissverständlich, dass im KI-Wettlauf Masse den Ausschlag gibt.
Doch es gibt einen Haken. Künstliche Intelligenz ist nicht gleich KI. Und nicht alle Projekte verlaufen erfolgreich. Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert bereits, dass über 40 % der Projekte im Bereich „agentischer KI“ bis Ende 2027 abgebrochen werden. Die Gründe? Die Projekte sind teuer, die Ergebnisse unklar und die Risikokontrolle unzureichend. Manche dieser Tools sind nichts weiter als leere Versprechungen.
Anushree Verma, Senior Director Analyst bei Gartner, nahm kein Blatt vor den Mund. Sie sagte: „Die meisten Projekte im Bereich agentenbasierter KI befinden sich derzeit in einem frühen Stadium von Experimenten oder Machbarkeitsstudien, die hauptsächlich von Hype getrieben und oft falsch angewendet werden.“ Sie warnte davor, dass diese Experimentierbesessenheit die Implementierung verzögert und die Produktion blockiert.
Das Problem, sagt sie, sei, dass sich Leute in die KI-Branche stürzen, ohne zu wissen, was sie da eigentlich tun.
Agentic AI wird zwar gehypt, aber die Investitionen sind gering und die Ergebnisse noch schlechter
In einem Gartner-Webinar im Januar 2025 wurden 3.412 Personen befragt, wie viel sie in agentenbasierte KI investiert haben. Nur 19 % hatten nennenswerte Investitionen getätigt. 42 % gingen vorsichtig vor. 8 % hatten sich noch gar nicht damit befasst. Die übrigen 31 % sind entweder unsicher oder beobachten die Entwicklung abwartend. Nicht gerade vertrauenserweckend.
Ein Teil des Problems ist das, was Gartner als „Agenten-Washing“ bezeichnet. Anbieter vermarkten ihre alten, veralteten Produkte – Chatbots, RPAs, KI-Assistenten – unter neuem Namen und kleben ihnen das Label „Agenten-KI“ auf. Von Tausenden von Anbietern sind laut Gartner nur 130 wirklich marktführend. Der Rest ist irrelevant. Verma sagte:
„Die meisten agentenbasierten KI-Lösungen bieten keinen signifikanten Mehrwert oder eine geringe Kapitalrendite (ROI), da die aktuellen Modelle nicht über die nötige Reife und Handlungsfähigkeit verfügen, um komplexe Geschäftsziele autonom zu erreichen oder differenzierte Anweisungen im Laufe der Zeit zu befolgen.“
Übersetzung: Es ist größtenteils Geschwätz.
Gartner meint, selbst technisch gesehen agentenbasierte Systeme seien nicht immer dafür geeignet. Viele der aktuell präsentierten Anwendungsfälle benötigen gar keine Agenten. Es geht hier um Marketing, nicht um Entwicklung. Und die meisten Unternehmen investieren einfach Geld in unausgereifte Technologien.
Trotzdem prognostiziert , dass bis 2028 15 % der täglichen Arbeitsentscheidungen autonom durch agentenbasierte KI getroffen werden. 2024 lag dieser Wert noch bei 0 %. Gartner geht außerdem davon aus, dass bis dahin 33 % der Unternehmenssoftware mit agentenbasierten KI-Funktionen ausgestattet sein werden – ein enormer Anstieg gegenüber weniger als 1 % heute.
Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Technologie-Teams jedoch noch einiges leisten. Die Integration von Agenten in bestehende Plattformen ist aufwendig. Sie unterbricht Arbeitsabläufe und verursacht enorme Kosten für die Behebung der Probleme. Laut Gartner ist der bessere Weg, alte Systeme zu ersetzen und neue mit von Anfang an integrierter agentenbasierter KI zu entwickeln. Alles andere ist nur eine Notlösung.

