Wenn Gerüchte und Schlagzeilen aufeinandertreffen, kann der Lärm ohrenbetäubend sein, besonders wenn es um Indiens möglichen Ausstieg aus den BRICS- Staaten und seinen sehnsüchtigen Blick auf die USA geht. Das ist kein pikantes Gerücht, sondern eine vielschichtige Geschichte über Wirtschaft, internationale Beziehungen und das stets fesselnde Drama der Geopolitik.
Ein brutales Erwachen
Um die Ausgangslage zu klären, betrachten wir zunächst einige Fakten. Zwischen Februar 2022 und Ende 2023, den kalten Monaten zwischen 2022 und 2023, schlossen Indien und Russland, beide stolze Mitglieder der BRICS-Staaten, wichtige Handelsabkommen ab. Sie unterzeichneten Rohölverträge im Wert von Milliarden, was selbst im globalen Vergleich kein Pappenstiel ist. Indien, unter der Führung von Premierminister Modi, sicherte sich in diesen zwei Jahren Einsparungen von fast 7 Milliarden US-Dollar. Wie? Indem es russisches Öl zu vergünstigten Preisen erwarb, dank der US-Sanktionen gegen Russland aufgrund dessen Vorgehens in der Ukraine. Diese Sanktionen öffneten ein Schlupfloch, das groß genug war, um einen Teil des Handels in anderen Währungen als dem US-Dollar abzuwickeln.
Die Lage spitzt sich jedoch zu, als Russland – mit einemwinkin seinen autoritären Augen – darauf besteht, dass Indien in chinesischen Yuan zahlt und die indische Rupie damit benachteiligt. Dies stieß in Indien aus offensichtlichen Gründen auf Unmut. Die Spannungen zwischen Indien und China sind äußerst angespannt, und in den indischen Machtzentren herrscht die ernsthafte Sorge, dass die Verwendung des Yuan der chinesischen Wirtschaft einen unberechtigten Aufschwung bescheren könnte.
Was also tun? Indien schaute sich um und kam zu dem Schluss, dass die alten Wege vielleicht doch die besten sein könnten. Es wandte sich von den BRICS-Staaten ab und suchte wieder die Nähe zu den USA und den Ölmärkten des Nahen Ostens. Bloomberg enthüllte die Wahrheit und berichtete, dass Indien nun mehr Öl von den USA als von Russland, seinem BRICS-Verbündeten, bezieht.
Indische Raffinerien, die nicht von einem einzigen Lieferanten abhängig sein wollen, haben ihre Importe von US-Rohöl deutlich erhöht und damit eine bedeutende Kursänderung vollzogen. Unternehmen wie Bharat Petroleum Corp. und Reliance Industries Ltd. sollen Berichten zufolge beachtliche 7 Millionen Barrel US-Rohöl importiert haben und peilen Verladungen im April an. Dies ist das höchste monatliche Importvolumen aus den USA seit Mai des Vorjahres. Trotz des anfänglichen Anstiegs der russischen Lieferungen nach Indien nach dem Einmarsch in die Ukraine haben die US-Sanktionen die Situation grundlegend verändert und Indien dazu veranlasst, seine Bezugsquellen zu diversifizieren.
Belastungen und Gewinne
Der Wechsel zu US-Öl ist keine bloße Randerscheinung. Er birgt das Potenzial, die BRICS-Staaten zu erschüttern und insbesondere Russlands Sokol-Rohölexporte zu beeinträchtigen. Indiens Schritt deutet nicht nur auf eine Verschiebung der Handelspräferenzen hin, sondern signalisiert eine tiefgreifendere geopolitische Neuausrichtung, die die BRICS-Einheit potenziell gefährden könnte.
Angesichts der bevorstehenden Wahlen ist Indiens Entscheidung, US-Öl dem in chinesischen Yuan geforderten russischen Öl vorzuziehen, ebenso ein politischer wie ein wirtschaftlicher Schachzug. Die Strategie scheint klar: Man will Chinas Wirtschaft keinen übermäßigen Vorteil verschaffen und die Wahlchancen wahren, indem man nicht alles auf die BRICS-Staaten setzt.
Während Indien seine Ölimporte aus den USA und Saudi-Arabien erhöht, geht es nicht nur um die Mengen. Es spiegelt vielmehr den Wandel von Allianzen und die Anpassung von Strategien in einer Welt wider, in der wirtschaftliche Interessen oft wichtiger sind als ideologische Übereinstimmung. Das West Texas Intermediate Midland-Rohöl, obwohl teurer als Öl aus dem Nahen Osten, bietet Indien mehr als nur Treibstoff. Es ermöglicht die Diversifizierung der Energiequellen, verringert die Abhängigkeit vom sanktionierten Russland und hilft, die unruhigen Gewässer der internationalen Diplomatie agiler zu durchqueren.

