Der Iran ist nun fast vollständig vom Internet abgeschnitten. Nur noch 3 % des Landes haben Internetzugang. Das geht aus Echtzeitdaten von NetBlocks hervor, die zeigen, dass die Internetverbindungen ab Montag dieser Woche auf direkte Anweisung des iranischen Regimes drastisch zurückgingen.
Die Regierung löste den Shutdown und schnitt damit Millionen von Menschen vom Mobilfunk- und Breitbandzugang ab. Das ist dieselbe Strategie, die sie bereits bei den Protesten 2019 anwandte, als mindestens 100 Menschen getötet wurden, während der Rest der Welt davon nichts mitbekam.
Der Stromausfall dauerte sechs Tage und legte den Großteil des Landes in Dunkelheit, während die Sicherheitskräfte hart durchgriffen. Dieser Ausfall ereignet sich inmitten einer militärischen Eskalation zwischen Israel und Iran, einschließlich Berichten über israelische Luftangriffe auf iranische Atomanlagen.
Der Iran blockiert die Kommunikation über die nationale Infrastruktur und Hardware
Eine 2024 im Journal of Cybersecurity veröffentlichte Studie ergab, dass solche Abschaltungen den Informationsfluss innerhalb eines Tages um bis zu 90 % reduzieren können. Diese Art von staatlicher Abschaltung funktioniert nur, weil der Iran über die iranische Telekommunikationsgesellschaft (TCI) die gesamte wichtige Internetinfrastruktur besitzt oder kontrolliert. Die TCI hat die Macht, den gesamten Datenverkehr zu drosseln oder zu blockieren.
Das Land kontrolliert auch das Border Gateway Protocol (BGP), das System, das den Datenverkehr in und aus nationalen Netzwerken steuert. Indem der Iran BGP-Routenankündigungen zurückzieht, kann er sich vom globalen Internet abkoppeln, ähnlich wie Ägypten 2011 während des Arabischen Frühlings, als es 93 % seiner Verbindungen für eine Woche kappte. Seitdem gilt Ägypten als Modell für Zensur.
Der Iran ist nicht das einzige Land, das Stromausfälle zur Unterdrückung der Bevölkerung einsetzt. Auch Länder wie Indien (in Kaschmir im Jahr 2020) und Myanmar (nach dem Militärputsch 2021) haben die Stromversorgung unterbrochen. Daten von Access Now zeigen, dass es 2024 weltweit einen Rekord von 67 Stromausfällen gegeben hat.
Der Iran verfolgt abweichende Meinungen und schottet sich von der Außenwelt ab
Der Iran nutzt dafür fortschrittliche Technologien. Mithilfe von Deep Packet Inspection (DPI) können Apps wie Telegram, WhatsApp und Instagram gescannt und blockiert werden. Diese Filter basieren häufig auf Hardware von Unternehmen wie Sandvine (Kanada) und Allot (Israel).
Im Iran ist DPI gesetzlich verankert und dient dazu, alles zu blockieren, was nicht von den Behörden genehmigt ist. Hinzu kommt die Manipulation von DNS-Adressen, wodurch das Regime den Zugriff auf ausländische Websites verhindern kann, indem es Domainadressen umschreibt. Diese Taktiken sind Teil des Regierungsplans zum Aufbau eines separaten Internets.
Dieses separate System existiert bereits. Es heißt Nationales Informationsnetzwerk (NIN). Das 2012 gegründete und seitdem stetig erweiterte NIN fungiert als Intranet ausschließlich für den Inlandsgebrauch und hostet Seiten wie Aparat, die lokale Version von YouTube. NIN ermöglicht es dem Staat, die Versorgung mit lebenswichtigen Dienstleistungen im Inland aufrechtzuerhalten, während alle anderen Dienste eingestellt werden. Es ist ein zentraler Bestandteil dieses Blackouts.
Das Militär spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) betreiben eine Cybersicherheitsabteilung, die Überwachung und Kommunikationsabschaltungen steuert. Ihr Team nutzt chinesische Technologie von Huawei und einige iranische Tools, um Signale zu unterbrechen, insbesondere in Krisenzeiten. Daten von NetBlocks zeigen, dass der Blackout dieser Woche auf eine Kombination aus BGP-Abschaltung und Abschaltung des Mobilfunknetzes zurückzuführen ist, die wahrscheinlich von TCI und NIN gemeinsam durchgeführt wurde.
Es besteht kein Zweifel daran, wozu das dient. Als der Iran 2019 das Internet abschaltete, geschah dies unmittelbar nach Protesten gegen die hohen Treibstoffpreise. Amnesty International bestätigte später, dass während der Internetsperre mehr als 300 Menschen getötet wurden.
Soziale Medien sind ein weiterer Grund für das harte Durchgreifen. Plattformen wie Twitter und Telegram spielten eine entscheidende Rolle bei der Organisation von Demonstrationen während der Grünen Bewegung 2009, und der Staat hat das nie vergessen. Diese Tools werden nun entweder verboten oder bei steigenden Spannungen sofort blockiert.
Ein weiterer Grund? Nachrichtenkontrolle. Ausländische Medien wie BBC Persian und Voice of America werden blockiert. Der Staat erlaubt nur Nachrichten von offiziellen Sendern, die über NIN verbreitet werden. Die Carnegie-Stiftung stellte fest, dass Nachrichtensperren häufig während Wahlen oder nationalen Krisen verhängt werden, um zu kontrollieren, was die Öffentlichkeit sieht.
Doch dahinter steckt noch eine tiefere Botschaft. Ein Stromausfall signalisiert Bürgern wie Feinden gleichermaßen, dass die Regierung die Kontrolle hat – auch wenn die Weltwirtschaft darunter leidet. Laut der Internet Society verursachten Stromausfälle zwischen 2015 und 2016 weltweit einen BIP-Verlust von 2,4 Milliarden US-Dollar. Doch dem Iran, der bereits unter Sanktionen steht, dürfte das egal sein.
Irans Machthaber glauben, diese Stromausfälle seien hilfreich. Sie meinen, dadurch würden Proteste gestoppt, Hackerangriffe unterbunden und ausländische Unternehmen wie Google oder Amazon an der Einmischung gehindert. Ihr Ziel ist die totale Kontrolle.

