Florida hat Kalifornien bei den neu installierten Solaranlagen überholt und innerhalb eines Jahres über 3 Gigawatt an Solarkapazität im Kraftwerksmaßstab hinzugewonnen. Damit hat Florida erstmals langjährige Spitzenreiter wie Texas und Kalifornien beim Wachstum der Solarkapazität hinter sich gelassen. Und das in einem Bundesstaat, der den Klimawandel ab 2024 nicht mehr zu seinen offiziellen politischen Zielen zählt.
„Das ist kein Zufall“, sagte Sylvia Leyva Martinez, leitende Analystin bei Wood Mackenzie. „Florida prägt nun das nationale Wachstum der Solarenergie.“ Die treibende Kraft war fast ausschließlich die Energieversorger. Allein Florida Power & Light errichtete im vergangenen Jahr über 70 % der neuen Solarinfrastruktur im Bundesstaat.
Florida umgeht bürokratische Hürden, während Energieversorger das Solarwachstum vorantreiben
In Florida müssen Projektentwickler für Solaranlagen unter 75 Megawatt keine vollständige Standortprüfung durchlaufen. Grund dafür ist eine landesweite Regelung, die den Bau von Solargroßanlagen vereinfacht und beschleunigt. Das bedeutet niedrigere Kosten und kürzere Bauzeiten. So konnte der Bundesstaat im vergangenen Jahr mehr Solarenergie als Kalifornien – und das, ohne dabei auf Dachinstallationen angewiesen zu sein.
„Es gibt keine Patentlösung“, sagte Syd Kitson, der Babcock Ranch, eine Stadt, die fast vollständig mit Solarenergie betrieben werden soll, gegründet hat. „Aber eines hat Florida richtig gemacht: die Akzeptanz. Hier wollen die Menschen Solarenergie. Und wir beweisen, dass es funktioniert.“
Babcock Ranch verfügt über ein eigenes Mikronetz, das vom staatlichen Stromnetz getrennt ist. Es blieb während des Hurrikans Ian im Jahr 2022 online, obwohl große Teile Südwestfloridas ohne Strom waren. „Wir hatten weder Strom-, Internet- noch Wasserausfall“, sagtedentDon Bishop. „Das verändert die eigene Sicht auf Energie.“
Die Erdgaspreise steigen. Die Nachfrage der Industrie nimmt zu. Für Energieversorger bedeutet das, dass Solarenergie jetzt günstiger ist – selbst ohne Subventionen. „Energieversorger bauen keine Solaranlagen, weil es umweltfreundlich ist“, sagte Martinez. „Sie tun es, weil es günstiger ist.“
Doch das Bild ist nicht durchweg positiv. Im Juli unterzeichnetedent Trump das „One Big Beautiful Bill“, ein Gesetz, das die staatlichen Steuervergünstigungen für Solar- und Windenergie zurückfährt. Hausbesitzer verlieren die staatliche Investitionsförderung nach 2025. Für Projektentwickler werden die Projektfristen kürzer und die Vergabevorschriften strenger.
„Das wird den Markt nicht zerstören“, sagte Zoë Gaston, ebenfalls Analystin bei Wood Mackenzie. „Aber es macht die Berechnungen schwieriger.“
Die Installation von Solaranlagen auf Hausdächern in Florida wird laut Analystenprognosen in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich um 42 % zurückgehen. Das Wachstum im Bereich der Großkraftwerke hält zwar an, doch stoßen die Netze nun an ihre Grenzen. Energieversorger investieren daher massiv in Speichersysteme, intelligente Netztechnologien und Systemmodernisierungen, um die Nachfrage decken zu können.
In Babcock Ranch testen Ingenieure neue Mikronetzmodelle, die auf andere Wohngebiete ausgeweitet werden sollen. „Wir testen das schon seit Jahren“, sagte Kitson. „Jetzt geht es um die Skalierung. Es geht darum, anderen zu zeigen, dass sie das auch können.“
Dennoch wird der Staat in absehbarer Zeit nicht vom Erdgas abrücken. Und ohne eine klare politische Richtung befürchten einige Experten, dass Floridas positive Entwicklung nicht von Dauer sein wird. „Florida verfügt über die nötigen Solarenergieressourcen“, sagte Mark Jacobson, Professor für Ingenieurwesen an der Stanford University. „Was fehlt, ist politische Kontinuität.“
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