Der Februar brachte einen leichten Rückgang der Inflationsrate in der Eurozone auf moderate 2,6 %. Doch bevor Sie jetzt die Korken knallen lassen, sei klargestellt: Das ist kein Absturz in die befürchteten Tiefen, sondern lediglich eine leichte Entspannung gegenüber den 2,8 % im Januar. Die 20 Länder der Eurozone haben diese Verlangsamung miterlebt, und obwohl sie etwas über den von Wirtschaftsexperten prognostizierten 2,5 % liegt, ist sie dennoch bemerkenswert.
Doch wenn man die stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise außer Acht lässt, sank die Kerninflation – unser wichtigster Indikator für die Inflation – nur minimal von 3,3 % im Januar auf 3,1 %. Es ist wie beim Schälen einer Zwiebel: Je mehr Schichten man entfernt, desto mehr brennt es. Diese hartnäckige Kerninflation ist ein Dorn im Auge all jener, die von einem raschen Absinken auf das von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebte Ziel von 2 % träumen.
Apropos EZB: Die steckt ganz schön in der Klemme. Ihre Sitzung ist für nächste Woche angesetzt, und die große Frage lautet: Zinssenkung oder nicht? Angesichts der stagnierenden Wirtschaftslage erscheint eine Senkung naheliegend. Doch da die Löhne im Dienstleistungssektor die Preise in die Höhe treiben, ist die Entscheidung alles andere als eindeutig.
Erinnern Sie sich noch an die Achterbahnfahrt der Inflation, die wir dank ungebetener Gäste – der Pandemie und der Ukraine-Krise – erlebt haben? Wir sind von einem schwindelerregenden Höchststand von 10,6 % im Oktober 2022 auf den aktuellen Stand gesunken. Das ist ein beachtlicher Rückgang, der Anerkennung verdient. Doch die EZB-Spitze hält sich bezüglich Zinssenkungen bedeckt und peilt einen möglichen Schritt frühestens im Juni an. Sie sind wie vorsichtige Katzen, die auf den richtigen Moment warten.
Sprechen wir über Prognosen, denn wer spekuliert nicht gern? Goldman Sachs geht davon aus, dass die EZB ihre Inflationsprognose für dieses Jahr von 2,7 % auf schlankere 2,3 % senken und die Prognose für das nächste Jahr auf 2 % reduzieren wird. Das ist aber wie bei Wettervorhersagen: Man sollte sie mit Vorsicht genießen.
In Finanzkreisen kursieren Gerüchte über eine Zinssenkungswelle im Juni. Ein Großteil der befragten Ökonomen rechnet mit einer leichten Senkung auf 3,75 %. Doch die Meinungen gehen auseinander: Einige wenige setzen auf einen späteren oder sogar früheren Termin. Es ist ein völlig uneinheitliches Bild, vergleichbar mit der Vorhersage des Finales einer langjährigen Fernsehserie.
Eine verfrühte Zinssenkung könnte den Euro in eine unsichere Lage bringen und möglicherweise die Importinflation weiter anheizen. Es ist ein heikler Balanceakt, bei dem die EZB zwar die Führung übernehmen könnte, aber darauf bedacht ist, niemandem auf die Füße zu treten, insbesondere da die US-Notenbank Federal Reserve Gerüchten zufolge ebenfalls eine Zinssenkung um denselben Zeitpunkt erwägt.

