Europa steht am Scheideweg und sieht sich wirtschaftlichen Sicherheitsbedrohungen aus Richtungen gegenüber, die die meisten nicht einmal erahnen würden. Vorbei sind die Zeiten, in denen der Kontinent dank offenem Handel und ungehinderten Grenzen Frieden und Wohlstand genießen konnte. Die Märkte, die sein Wachstum einst befeuerten, haben sich nun in potenzielle Schlachtfelder verwandelt, und die Europäische Union (EU) befindet sich in einem Wettlauf gegen die Zeit, um ihre Verteidigung zu stärken. Nicht nur gegen die erwarteten Gegner, sondern auch aus Bereichen, die so nah sind, dass es fast schockierend ist.
Die EU hat ihre wirtschaftlichen Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt, von der Überprüfung ausländischer Investitionen bis hin zu verschärften Exportkontrollen. Diese Bemühungen sind eine Reaktion auf die sich wandelnde globale Landschaft, in der wirtschaftliche Instrumente als Zwangs- und Kontrollmittel eingesetzt werden. Der Fokus lag jedoch überwiegend auf dem wachsenden Einfluss Chinas – eine zwar berechtigte, aber dennoch besorgniserregende Tatsache, die eine noch größere und unmittelbarere Bedrohung in den Schatten stellt: die Möglichkeit einer erneuten Präsidentschaft Donald Trumps in den USA.
Europas Vorbereitung auf einen Wirtschaftskrieg ist verfehlt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die EU China als erhebliche Bedrohung ansieht und Maßnahmen ergreift, um Pekings aggressive Wirtschaftspolitik einzudämmen. Doch über das eigentliche Problem – eine mögliche US-Regierung unter Trump – wird in den Brüsseler Machtzentren kaum gesprochen. Dieses Versäumnis ist erstaunlich, wenn man Trumps vorherige Amtszeit und seine alles andere als freundliche Haltung gegenüber Europa bedenkt. Die Vorliebe seiner Regierung für Sanktionen und wirtschaftliche Stärke tron die EU schwer getroffen und ihre Verwundbarkeit angesichts der amerikanischen Wirtschaftsmacht offengelegt.
Die Aussicht auf Trumps Rückkehr bedeutet eine drohende Wirtschaftskrise. Er hat deutlich gemacht, dass er die EU als Konkurrenten, wenn nicht gar als offenen Gegner betrachtet, und weitreichende Zölle und Sanktionen angekündigt, die die europäischen Volkswirtschaftenripple treffen könnten. Solche Maßnahmen würden nicht nur die transatlantischen Beziehungen belasten, sondern Europa auch in eine noch engere Konfrontation mit China treiben – genau jener Bedrohung, gegen die es sich so sehr gewappnet hat.
Tatsächlich darf Europas Strategie für wirtschaftliche Sicherheit nicht eindimensional sein. Die bevorstehenden Herausforderungen erfordern eine umfassende Überarbeitung des EU-Ansatzes zur wirtschaftlichen Verteidigung, nicht nur gegenüber potenziellen Bedrohungen aus dem Osten, sondern auch von jenseits des Atlantiks. Die EU muss ihre Strategie diversifizieren und ihre Abwehr gegen alle Formen wirtschaftlichen Zwangs stärken, einschließlich jener, die von ihrem traditionellen Verbündeten, den Vereinigten Staaten, ausgehen könnten.
Investitionen in einen robusten wirtschaftlichen Sicherheitsapparat bedeuten, die Expertise und die Instrumente zu entwickeln, die notwendig sind, um Sanktionen und anderen Formen wirtschaftlichen Drucksdententgegenzuwirken. Europas Abhängigkeit von den USA in Bezug auf Geheimdienstinformationen und strategische Unterstützung bei der Verhängung von Wirtschaftssanktionen muss ein Ende haben. Die EU muss ihre Fähigkeit zur Gegenwehr stärken und ihre beträchtliche Marktmacht sowie ihre regulatorischen Rahmenbedingungen nutzen, um Aggressoren – ob aus dem Osten oder Westen – abzuschrecken.
Trotz aller Bemühungen bleibt die wirtschaftliche Verteidigung der EU eher theoretisch als praktisch. Das Zögern des Blocks, seine Instrumente zur Abwehr von wirtschaftlichen Übergriffen einzusetzen, untergräbt deren Wirksamkeit. Um sich wirksam gegen wirtschaftliche Aggressoren zu behaupten, muss Europa entschlossen handeln und seine Abwehrmechanismen in proaktive Instrumente der Wirtschaftsdiplomatie umwandeln.

