Nach der Wahl im März, deren Sieg weithin als unausweichlich gilt, bereitet sich der russischedent Wladimir Putin auf eine weitere mögliche sechsjährige Amtszeit vor. Er steht vor einer Vielzahl wirtschaftlicher Herausforderungen. Seine Wiederwahl würde nicht nur seine langjährige Herrschaft fortsetzen, sondern auch mehrere kritische wirtschaftliche Probleme in den Vordergrund rücken, die dringender Aufmerksamkeit bedürfen.
Der andauernde Ukraine-Konflikt und seine wirtschaftlichen Auswirkungen
Der Krieg in der Ukraine, der nun schon über 21 Monate andauert, hat Russland in eine strategisch schwierige, aber auch belastende Lage gebracht. Obwohl Russland mehr als ein Sechstel des ukrainischen Territoriums kontrolliert, ist der Konflikt zu einem zermürbenden Stellungskrieg ohne nennenswerte Verschiebungen an der Frontlinie erstarrt.
Putins anfängliche Ambitionen, Kiew einzunehmen und die ukrainische Führung zu stürzen, haben sich zu einem komplexeren Szenario entwickelt, in dem er die teilweise Kontrolle über vier deklarierte russische Gebiete in der Ukraine erlangt hat.
Analysten spekulieren über Putins langfristige Strategie und überlegen, ob er damit rechnet, dass die Unterstützung des Westens für die Ukraine nachlassen wird, insbesondere angesichts potenzieller politischer Veränderungen in der US-Präsidentschaft im nächsten Jahr.
Putin steht vor einer schwierigen Wahl: Entweder eine weitere Eskalation durch zusätzliche Mobilisierung, trotz der Unbeliebtheit und des Chaos der ersten Welle, oder die Beibehaltung eines „eingefrorenen Konflikts“, um die Kontrolle über die Süd- und Ostukraine aufdefiZeit zu behalten.
Veränderte Außenpolitik und nukleare Positionierung
Putins Entscheidung, in der Ukraine Krieg zu führen, hat Russlands internationale Beziehungen, insbesondere zu westlichen Ländern, drastisch verändert. Als Reaktion darauf strebt Putin engere Beziehungen zu China und Indien an, um eine multipolare Weltordnung zu schaffen und die globale Dominanz der USA zu verringern. Seine Treffen mit den Führern Nordkoreas und des Irans, Länder, die für ihre Feindschaft gegenüber den USA bekannt sind, unterstreichen diesen Wandel.
Eine neue Amtszeit Putins würde wahrscheinlich einen verstärkten Fokus auf die Stärkung der russischen Allianzen mit sich bringen, insbesondere innerhalb der BRICS-Gruppe, wobei die Allianzen über den Handel hinaus auf Bereiche wie die Zusammenarbeit im Weltraum und den kulturellen Austausch ausgeweitet würden.
Eine weitere bedeutende Herausforderung für Putin ist der Umgang mit Russlands Atomwaffenarsenal. Angesichts der in der Ukraine stark beanspruchten konventionellen Streitkräfte hat Putin Russlands nukleare Fähigkeiten wiederholt betont. Die Möglichkeit der Wiederaufnahme von Atomtests, die seit 1990 nicht mehr stattgefunden haben, schwebt über uns, obwohl Russland beteuert, dies nur zu tun, wenn die USA zuerst testen.
Diese Haltung erschwert die Aussichten auf eine Verlängerung oder Ersetzung des New-START-Vertrags, des letzten nuklearen Rüstungskontrollabkommens zwischen Russland und den USA, das im Jahr 2026 ausläuft.
Wirtschaftliche Realitäten: Handel, Energie und innenpolitische Belange
Der andauernde Krieg hat Russland seinen bedeutenden Energiemarkt in Europa gekostet. Um dem entgegenzuwirken, setzt Moskau auf drei Großprojekte: ein neues Gaszentrum in der Türkei, die Pipeline „Power of Siberia 2“ nach China und den Ausbau der Nordostpassage, der durch das schmelzende arktische Eis ermöglicht wird. Diese Projekte werden entscheidend dazu beitragen, die Auswirkungen westlicher Sanktionen abzumildern und den russischen Handel nach Osten zu verlagern.
Innenpolitisch ist Putin stolz auf Russlands Widerstandsfähigkeit gegenüber westlichen Sanktionen. Zwar verzeichnete das BIP im Oktober ein Wachstum von 5 % im Vergleich zum Vorjahr, doch ist dieses Wachstum hauptsächlich auf einen Anstieg der Rüstungsproduktion zurückzuführen. Verteidigung und Sicherheit werden voraussichtlich rund 40 % des Haushalts im nächsten Jahr beanspruchen und damit möglicherweise andere wichtige Sektoren wie Bildung und Gesundheit in den Schatten stellen.
Zudem hat die Abwanderung von Fachkräften und IT-Experten seit Kriegsbeginn zu Arbeitskräftemangel in Schlüsselindustrien geführt. Die Inflation liegt bei über 7 %, und die Zinsen erreichen erschreckende 15 %. Putins Herausforderung wird darin bestehen, einen weiteren Rückgang des Lebensstandards zu verhindern – ein zentraler Bestandteil seiner Popularität in der russischen Bevölkerung.
Mit 71 Jahren wäre Putin bei seiner nächsten Amtszeit 77 und damit jünger als US-dent Joe Biden bei dessen Amtseinführung. Allerdings spielt auch das Alter wichtiger Persönlichkeiten in Putins Umfeld eine Rolle und wirft Fragen nach einer möglichen Erneuerung der Führungsriege auf. Jüngere Führungskräfte wie Parlamentspräsident Wjatscheslaw Wolodin und Landwirtschaftsminister Dmitri Patruschew werden daher genau beobachtet, da sie neue Impulse für Russlands wirtschaftliche und politische Strategien geben könnten.

