Vietnam legt endlich Regeln fest. Die Regierung hat ein fünfjähriges Pilotprojekt zum Kryptohandel genehmigt und damit das legalisiert, was 17 Millionen Vietnamesen bereits im Verborgenen getan haben.
Laut einer Erklärung auf der Regierungswebsite handelt es sich hierbei um einen umfassenden, staatlich unterstützten Vorstoß hin zu einem regulierten Kryptohandel nach Jahren des Betriebs im Verborgenen.
Alle im Rahmen dieses Pilotprojekts teilnehmenden Börsen müssen sich in vietnamesischem Besitz befinden. Ausländische Unternehmen dürfen keine Plattformen betreiben. Die Ausgabe, der Handel und die Bezahlung von Kryptowährungen müssen in vietnamesischen Dong erfolgen.
Nur vietnamesische Unternehmen dürfen Kryptowährungen ausgeben, und selbst dann dürfen sie diese nur ausländischen Investoren anbieten. Einheimische können damit handeln, aber keine Kryptowährungen ausgeben.
Die Regierung legt Kapitalregeln und Beschränkungen für ausländisches Eigentum fest
Es gibt enorme Markteintrittsbarrieren. Wer in Vietnam eine Wechselstube eröffnen möchte, muss über ein Mindestkapital von 10 Billionen Dong verfügen, das sind umgerechnet etwa 379 Millionen US-Dollar.
Davon müssen mindestens 65 % von institutionellen Anlegern stammen. Selbst bei solch hohen Investitionen können ausländische Investoren keine Kontrolle übernehmen. Ihr Anteil an Kryptohandelsunternehmen ist auf 49 % begrenzt.
Die Regierung weiß genau, worauf sie sich einlässt. Laut Daten von Chainalysis belegte Vietnam letztes Jahr weltweit den fünften Platz bei der Krypto-Akzeptanz. Die Menschen warten nicht auf eine Genehmigung. Der Markt verwaltet bereits digitale Vermögenswerte im Wert von über 100 Milliarden US-Dollar, wie Vietnam Investment Review berichtet. Der Staat holt gerade erst auf.
Um die Dinge in Gang zu bringen, wird es vietnamesischen Kryptowährungsbesitzern und ausländischen Investoren ermöglicht , im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen neue Konten zu eröffnen. Doch es gibt eine Frist.
Sechs Monate nach Erteilung der ersten Lizenz gelten alle Transaktionen vietnamesischer Nutzer auf nicht lizenzierten Börsen als illegal. Die Regierung hat noch nicht bekannt gegeben, welche Strafen bei Regelverstößen verhängt werden. Doch die Frist läuft.
Im Juni verabschiedete das vietnamesische Parlament ein neues Gesetz, das digitale Vermögenswerte ab Januar 2026 offiziell anerkennt. Dieses Gesetz stellt einen klaren Bruch mit der bisherigen Politik dar, in der die Zentralbank und andere staatliche Stellen die Bevölkerung immer wieder davor warnten, sich von Kryptowährungen fernzuhalten.
Der Umschwung ist deutlich. Offizielle Stellen betrachten Blockchain, Kryptowährungen und digitale Infrastruktur nun als einen von elf Technologiebereichen, die dem Land zu zweistelligem Wirtschaftswachstum verhelfen könnten.
Ein Deal ist bereits in Arbeit. Dunamu, das Unternehmen hinter Upbit, unterzeichnete letzten Monat eine Absichtserklärung mit der vietnamesischen Militärbank. Die Vereinbarung ermöglicht es der Bank, in Vietnam eine Kryptobörse auf Basis der Upbit-Technologie aufzubauen. Der Technologietransfer hat bereits begonnen.
Dennoch ist nicht alles möglich. Bitcoin und andere virtuelle Währungen sind in Vietnam kein gesetzliches Zahlungsmittel, und die Regierung hat noch keine Pläne zur Änderung dieser Regelung angekündigt. Die Behörden suchen jedoch nach einer Lösung.
Die Idee besteht darin, Sandbox-Mechanismen zu schaffen – spezielle Zonen mit weniger strengen Regulierungen. Diese Sandboxes sind Teil größerer Pläne zur Etablierung internationaler Finanzzentren in Da Nang und Ho-Chi-Minh-Stadt. Das bedeutet, dass Kryptowährungen von Anfang an eine Schlüsselrolle im vietnamesischen Finanzsektor spielen könnten.

