Mindestens fünf große Unternehmen vom chinesischen Festland und aus Hongkong haben ihre Absicht bekundet, in den nächsten 12 bis 18 Monaten an der Singapore Exchange (SGX) zu notieren.
Zu diesen Unternehmen gehören ein chinesisches Energieunternehmen, ein Gesundheitskonzern und ein in Shanghai ansässiges Biotechnologieunternehmen. Die Unternehmen prüfen außerdem Kapitalerhöhungen oder Doppelnotierungen.
Insidern zufolge ist dieser Schritt Teil einer umfassenderen Strategie chinesischer Unternehmen, in Südostasien Fuß zu fassen. Sie suchen nach alternativen Märkten, während der Handelskrieg zwischen China und den USA weiter tobt.
Die USA und China befinden sich seit Langem in einem erbitterten Handelskrieg mit gegenseitigen Zöllen. Auf dem Höhepunkt dieses Konflikts belegten die USA bestimmte chinesische Waren , während China im Gegenzug Zölle von bis zu 125 % auf amerikanische Importe erhob. Obwohl sich beide Seiten kürzlich auf eine vorübergehende 90-tägige Handelspause geeinigt haben, bleiben Fragen zur Zukunft der Handelsbeziehungen offen.
Analysten zufolge führt diese Unsicherheit dazu, dass chinesische Unternehmen nach neuen Zugängen zu den globalen Märkten suchen, wobei Singapur ganz oben auf der Liste steht.
Die Börse Singapur zieht große chinesische Unternehmen für Börsennotierungen
Die Singapore Exchange (SGX) konnte Hongkongs Vormachtstellung bei den besten und profitabelsten Börsengängen (IPOs) nicht brechen. Bislang verzeichnete die SGX in diesem Jahr lediglich vier Börsengänge.
Im Vergleich dazu wurden in Hongkong seit Anfang 2024 71 neue Börsengänge durchgeführt (Hongkong ist nach wie vor der größte Markt für Börsengänge in Asien).
Jason Saw, Leiter des Investmentbankings bei CGS International Securities, erklärte, dass das Interesse chinesischer Unternehmen die aktuelle Situation verändern könnte. Er erläuterte, dass die Anfragen nach der Singapore Exchange (SGX) nach der Erhöhung der US-Zölle auf chinesische Waren sprunghaft angestiegen seien.
Pol de Win, Senior Managing Director bei SGX, stimmte dieser Einschätzung zu und fügte hinzu, dass Singapurs Rolle als regionales Drehkreuz für Unternehmen, die stabile, neutrale Märkte außerhalb der USA und Hongkongs suchen, zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Singapur stärkt den Markt, um globale Unternehmentrac
Singapur unternimmt Schritte, um seinen Aktienmarkt attraktiver für ausländische Unternehmen. Anfang des Jahres kündigte die Regierung einen Steuernachlass von 20 % für Erstnotierungen an, um Kosten zu senken und Unternehmen die Entscheidung für die SGX zu erleichtern.
Weitere Maßnahmen zur Förderung von Börsennotierungen und Handelsvolumina werden voraussichtlich im Laufe dieses Jahres umgesetzt. Diese Bemühungen sind Teil von Singapurs umfassenderem Bestreben, sich als führendes Finanzzentrum Südostasiens zu positionieren.
Die politische Stabilität Singapurs, die für Unternehmen, die geopolitische Risiken meiden, ein potenzielltracAnreiz sein könnte, wäre ein weiterer Faktor zu seinen Gunsten, sagte Ringo Choi, Leiter des Bereichs Börsengänge im asiatisch-pazifischen Raum bei EY.
Dennoch bestehen weiterhin Herausforderungen. Singapurs strengere Börsenzulassungsbedingungen und die konservative Investorenbasis könnten das Land daran hindern, den Abstand zu Hongkong zu verringern.
Ein in Singapur ansässiger Technologie-Manager, der anonym bleiben wollte, erklärte, das Land müsse seinen Börsenzulassungsprozess, insbesondere für Tech-Startups, vereinfachen. Er fügte hinzu, dass die meisten regionalen Startups ebenfalls in Singapur ansässig seien, was für einen Börsengang sinnvoll sei. Allerdings müssten die derzeitigen Hürden gelockert werden, damit dies gelingen könne.
China strebt seit Langem engere Wirtschaftsbeziehungen mit der Region an, insbesondere angesichts der vielfältigen Konflikte mit Washington. Chinesische Unternehmen sehen Südostasien als schnell wachsenden Markt mit einer wachsenden Mittelschicht und steigender Konsumnachfrage.
Ein Börsengang in Singapur ermöglicht es chinesischen Unternehmen, lokal Kapital zu beschaffen und ihre Markenbekanntheit zu steigern. Dieser doppelte Anreiz macht Singapur so attraktiv.
Hongkong ist nach wie vor das bevorzugte Offshore-Ziel chinesischer Unternehmen, doch Singapurs schrittweise Reformen und Angebote machen es für große Akteure zunehmendtrac.

