In einem offenen Brief an den Vorstand, die Ausschussmitglieder und weitere Aktionäre von Ubisoft Entertainment wurde die „tiefe Unzufriedenheit“ mit der aktuellen Geschäftsentwicklung des Unternehmens zum Ausdruck gebracht. Juraj Kurpa, ein Minderheitsaktionär, verfasste den Brief am 9. September über AJ Investments und dessen Partner.
Kurpa bezog sich auf die jüngsten Quartalsergebnisse von Ubisoft, aus denen hervorgeht, dass die Veröffentlichung mehrerer Spiele, darunter The Division und Rainbow Six Siege, auf 2025 verschoben wurde. Der Aktionär hob hervor, wie diese Verschiebungen die Umsatzprognose des Unternehmens für das zweite Quartal gesenkt haben. Kurpa erklärte außerdem, dass ihn die Ergebnisse an der Fähigkeit des Spieleunternehmens zweifeln ließen, seinen Investoren langfristig Wert zu bieten.
Der Minderheitsaktionär sprach den drastischen Kursverfall der Ubisoft-Aktien an, der sich im vergangenen Jahr auf rund 40 % belief. Er verglich den Unternehmenswert mit den steigenden Aktienkursen der Wettbewerber. Der Aktionär schlug strategische und strukturelle Änderungen vor, um die langfristige Überlebensfähigkeit des Unternehmens für Aktionäre und Spieler zu sichern.
Die Aktionäre sind der Ansicht, dass Ubisoft unterbewertet ist
Kurpa hob den Erfolg des Unternehmens als Spieleentwickler hervor, der bedeutende Spieletitel der Branche entwickelt, vertreibt und verkauft, darunter Assassin's Creed, Far Cry, Tommy Clancy's, Just Dance, Crew und Rayman. Die Aktionäre betonten das Potenzial des Unternehmens, langfristig Millionen von Spielern zutrac.
In dem offenen Brief äußerten die Aktionäre von Ubisoft ihre Besorgnis über die Unterbewertung von Ubisoft Entertainment im Vergleich zu Wettbewerbern. Der Minderheitsaktionär führte die Unterbewertung auf Missmanagement der Familie Guillemot und von Tencent Holdings zurück.
„Wir sind jedoch der Ansicht, dass Ubisoft bei der aktuellen Bewertung deutlich unterbewertet ist und einen Wert zwischen 40 und 45 Euro pro Aktie haben sollte.“
–Juraj Kurpa, Minderheitsaktionär von Ubisoft Entertainment
Kurpa führte verschiedene Kennzahlen an, darunter den Buchwert je Aktie, das EV/Umsatz-Verhältnis und das EV/EBITDA-Verhältnis, und verglich diese mit anderen Spieleunternehmen wie Take-Two Interactive, Roblox, Playtika, Embracer undtronArts. Im offenen Brief der Aktionäre wurden außerdem die EV/EBITDA-Daten von Take-Two undtronArts für das kommende Jahr mit 15 bzw. 13 angegeben. Das EV/EBITDA von Ubisoft Entertainment liegt für das kommende Jahr bei 2,9.
Die Analyse der Deutschen Bank hob zudem die aktuelle Unternehmensbewertung von 4,0x EV/EBITDA hervor, was einem Abschlag von 67 % gegenüber Wettbewerbern entspricht. Die Analyse legte nahe, dass Investoren die Bemühungen um die Weiterentwicklung wichtiger Schutzrechte und die Beseitigung wesentlicher Kostenineffizienzen vor dem Geschäftsjahr 2025 honorieren sollten.
Kurpa schlägt vor, dass Ubisoft privatisiert wird
Die Situation bei Ubisoft hat sich deutlich verschlimmert.
Nicht nur ist ihr Aktienkurs in den letzten Tagen dramatisch eingebrochen, sondern jetzt geraten auch noch ihre eigenen Investoren in Panik.
AJ Investments fordert in einem offenen Brief an den CEO von Ubisoft die Privatisierung des Unternehmens… pic.twitter.com/OM1HQf7nUr
— Dreadroberts (@SicklyTheNinJa) 9. September 2024
AJ Investments und seine Partner schlugen in ihrem Angebot vor, das Glücksspielunternehmen zu privatisieren, um den Unternehmenswert für die Investoren zu steigern. Die Aktionäre erklärten, es sei an der Zeit, dass das Unternehmen den Spielern langfristige Zufriedenheit biete, anstatt sich auf die Befriedigung der Investoren zu konzentrieren.
Kurpa hob Ubisofts Erfahrung in der Spielebranche hervor und erwähnte zudem die langjährige Beziehung des Unternehmens zu Activision Blizzard.
Die Aktionäre sind überzeugt, dass ein Führungswechsel das Unternehmen in die richtige Richtung lenken wird. Sie schlugen außerdem vor, dass Ubisoft sich nicht wie bisher auf die Veröffentlichung mehrerer Titel pro Jahr konzentrieren, sondern verstärkt auf die Entwicklung von Erfolgstiteln, die die Gaming-Community begeistern.
Der Minderheitsaktionär schlug vor, das Einstellungsverfahren für einen neuen CEO als Nachfolger von Yves Guillemot einzuleiten. Die Minderheitsaktionäre planen außerdem, einen Machtkampf und einen Verkaufsprozess gemäß französischem Minderheitsaktionärsrecht einzuleiten.

