Elon Musk hat endlich sein Ziel erreicht – Starlink expandiert nach Indien. Doch es geht hier nicht nur um den Ausbau des Satelliteninternets. Der Deal kam nur zustande, weil Musk Partnerschaften mit Mukesh Ambani und Sunil Mittal, den beiden einflussreichsten Männern der indischen Telekommunikationsbranche, eingehen konnte.
Die von ihnen kontrollierten Unternehmen Reliance Jio und Airtel werden künftig direkt an der landesweiten Verbreitung der Starlink-Dienste beteiligt sein. Musk hatte dies jahrelang gefordert, doch nach seinem Treffen mit Premierminister Narendra Modi im vergangenen Monat in Washington, D.C., änderte sich die Situation.
Musk betonte die Bedeutung des globalen Internetzugangs, insbesondere in Indien, dem bevölkerungsreichsten Land der Welt. Nach diesem Treffen erlaubte die indische Regierung SpaceX, die zuvor ins Stocken geratenen Telekommunikationsverträge fortzusetzen.
Es ging hier nicht nur um Internetzugang. Musks wachsender Einfluss in Washington spielte eine Rolle, da Indien und die USA zwar über Handelsbedingungen verhandeln, diese Gespräche aber bisher ergebnislos verlaufen sind. Präsidentdent Trump kündigte kürzlich neue Gegenzölle auf Indien an, die am 2. April in Kraft treten und die Beziehungen zwischen den beiden Ländern weiter belasten. Das Starlink-Abkommen zeigt jedoch, dass Musks Geschäftsinteressen trotz der festgefahrenen Handelsverhandlungen voranschreiten.
Für Musk löst der Deal gleich mehrere Probleme auf einmal. Er erhält Zugang zu einem riesigen, mobilorientierten Markt, ohne gegen die lokalen Telekommunikationsriesen antreten zu müssen. Stattdessen übernehmen Jio und Airtel den Ausbau und werden so zu Partnern statt Konkurrenten. Ambani und Mittal, beide bekannt für ihren Einfluss auf Indiens Telekommunikationsbranche, haben nun die Schlüsselrolle für die Expansion von Starlink im Land inne.
Indiens Telekommunikationsriesen hatten bereits Satellitenpläne.
Es gibt einen Haken. Jio und Airtel haben nicht unbedingt auf Starlink gewartet. Reliance Jio hatte bereits ein Joint Venture mit SES, einem Satellitenbetreiber aus Luxemburg, um Satelliteninternet nach Indien zu bringen. Airtel arbeitet mit Eutelsat OneWeb zusammen, einem weiteren Anbieter von Satellitenbreitband. Was passiert nun mit diesen Plänen, da Starlink mit im Boot ist? Das ist noch unklar.
Der Vorteil von Starlink liegt in seiner Fähigkeit, Hochgeschwindigkeitsinternet in ländlichen und abgelegenen Gebieten bereitzustellen, wo die herkömmliche Telekommunikationsinfrastruktur schwach ist. Neil Shah von Counterpoint Research erklärte, dass die Partnerschaft es Jio und Airtel ermöglicht, Gebiete zu erreichen, in denen ihre Netze bisher nicht existieren. Anstatt teure neue Mobilfunkmasten zu bauen, können sie den satellitenbasierten Dienst von Starlink an lokale Kunden verkaufen.
„Starlink dürfte einen großen Aufschwung bringen … insbesondere in ländlichen und abgelegenen Gebieten Indiens, wo traditionelle Telekommunikationsnetze nicht besonders gut funktionieren“, sagte Pravin Krishna, Professor für internationale Wirtschaftswissenschaften an der Johns Hopkins University.
Doch der Deal wirft auch Bedenken auf. Musk hat seine langfristigen Pläne für die Satellitenkommunikation stets offen dargelegt. Sollte sich Starlink in Indien als erfolgreich erweisen, werden Jio und Airtel ihre eigenen Satellitenprojekte weiter vorantreiben? Oder werden sie sich darauf konzentrieren, Starlink zum Marktführer zu machen? Die Partnerschaften mögen vorerst funktionieren, doch langfristiger Wettbewerb ist durchaus möglich.
Regulatorische Hürden und Preisprobleme
Trotz bestehender Partnerschaften ist Starlink noch nicht offiziell gestartet. Das Unternehmen benötigt weiterhin eine Kommunikationslizenz der indischen Regierung. Das Genehmigungsverfahren läuft noch, doch Starlink muss die letzten regulatorischen Hürden noch überwinden. Sollte die Regierung Verzögerungen vornehmen oder zusätzliche Auflagen stellen, müssen Jio und Airtel ihr Engagement für das Projekt möglicherweise überdenken.
Die Preisgestaltung ist ein weiteres Problem. Starlink kostet in den USA derzeit 110 US-Dollar pro Monat. Das ist deutlich teurer als Jios günstigstes WLAN-Paket, das im Jahresdurchschnitt weniger kostet. Wenn Starlink in Indien flächendeckend genutzt werden soll, müssen die Preise deutlich sinken.
„Es besteht zwar die Möglichkeit, viele Menschen mit dem Internet zu verbinden, aber die Preisgestaltung wird die Skalierbarkeit von Starlink beeinträchtigen“, sagte Shah.
Hier könnten staatliche Anreize und lokale Subventionen ins Spiel kommen. Wenn die indische Regierung den Breitbandausbau unterstützt, könnten einkommensschwächere Gebiete finanzielle Hilfen erhalten, um den Dienst erschwinglicher zu machen. Auch Musks neue milliardenschwere Verbündete könnten sich an der Gestaltung des Geschäftsmodells beteiligen.
Hinzu kommen technische Einschränkungen. Das Satellitennetzwerk von Starlink benötigt eine freie Sichtverbindung, was bedeutet, dass Wetterbedingungen und dicht besiedelte Stadtgebiete zu Störungen führen können. Analysten von Citi gehen davon aus, dass Starlink eher für ländliche Gebiete als für dicht besiedelte Städte geeignet ist, wo bestehende Telekommunikationsnetze bereits dominieren.
„Wir gehen davon aus, dass Satellitennetze eher für die Versorgung abgelegener ländlicher Gebiete mit Versorgungslücken geeignet sind als für dicht besiedelte städtische Gebiete, wo Satelliten hinsichtlich Kapazität und Abdeckung möglicherweise nicht mit terrestrischen Netzen mithalten können“, schrieben die Analysten von Citi.
Die Anleger beobachten die Situation genau, und Amazon ist aktiv.
Indiens Risikokapitalmarkt boomt. Laut Bain & Company erreichten die Gesamtinvestitionen in indische Startups im Jahr 2024 13,7 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 40 % gegenüber dem Vorjahr. Die Anzahl der Transaktionen stieg um 45 % auf 1.270, verglichen mit 880 im Jahr 2023. Der Konsumtechnologiesektortracdie meisten Investitionen an, während Branchen wie das Bankwesen und der Einzelhandel ebenfalls ein rasantes Wachstum verzeichneten.
Auch in Indien vollzieht Amazon einen bedeutenden Kurswechsel. Der E-Commerce-Riese befindet sich Berichten zufolge in Gesprächen mit JPMorgan und indischen Investmentbanken über einen Börsengang seiner indischen Tochtergesellschaft. Sollte der Börsengang erfolgen, könnte Amazon in Indien eigene Lagerbestände führen, anstatt lediglich als Marktplatz für Verkäufer und Käufer zu fungieren. Dies würde dem Unternehmen ermöglichen, seine Geschäftstätigkeit auszuweiten und direkter mit lokalen indischen E-Commerce-Anbietern zu konkurrieren.

