SoftBanks Tochterunternehmen Arm rückt ins Rampenlicht und plant den möglicherweise größten US- Börsengang seit fast zwei Jahren. Der Technologiekonzern will Anfang nächsten Monats an der renommierten Nasdaq notiert werden.
Rivian, der Innovator im Bereich Elektroautos, stand bisher mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 im Rampenlicht, aber Arm könnte das durchaus übertreffen.
Ein wertvoller Stolz für SoftBank
Der renommierte japanische Mischkonzern SoftBank, angeführt vom beeindruckenden Masayoshi Son, sorgte für Schlagzeilen, als er 2016 das britische Kronjuwel Arm für 32 Milliarden Dollar erwarb.
Heute, nach einer internen Bewertung durch die SoftBank Group und ihren Vision Fund, erreicht Arm einen beeindruckenden Wert von 64 Milliarden US-Dollar. Doch es geht nicht nur um Zahlen.
Die strategische Abhängigkeit von Arm von China, die fast ein Viertel des Umsatzes ausmacht, ist in dieser politisch aufgeladenen Ära sowohl ein Vorteil als auch eine Schwäche, insbesondere angesichts der aktuellen Haltung der Biden-Administration zu den Halbleiteraktivitäten der USA in China.
Arm hat seine Designs auf komplexe Weise in die DNA des globalen Smartphone-Marktes integriert. Denkt man an ein Smartphone, ist Arm mit einem nahezu vollständigen Marktanteil vertreten.
Das Unternehmen rühmt sich damit, dass beeindruckende 70 % der Weltbevölkerung mit Produkten auf Arm-Basis interagieren. Im vergangenen Jahr erreichten Chips mit Arm-Innovationen einen Marktanteil von 49 %, dessen Potenzial auf über 200 Milliarden US-Dollar geschätzt wird.
Schwachstellen im Arm-oder?
Doch nicht alles ist rosig. Trotz seiner Monopolstellung kehrt Arm inmitten des wohl größten Smartphone-Einbruchs seit zehn Jahren an die Börse zurück. Der Umsatz, der bis März dieses Jahres 2,7 Milliarden US-Dollar erreichte, liegt damit leicht unter dem Vorjahreswert.
Und ihr Nettogewinn? Der sank um 5 % auf 524 Millionen Dollar. Das Interessante daran? Arm wird aus diesem Börsengang keinen Cent einstreichen. Stattdessen wird SoftBank seinetronBeteiligung verwässern.
Um diesem Einbruch entgegenzuwirken, diversifiziert Arm und konzentriert sich auf die Bereiche Automobil und Cloud Computing. Das Unternehmen expandiert nicht nur, sondern steigert auch den Wert seines geistigen Eigentums. Son treibt zudem das Potenzial von Arm im Bereich der künstlichen Intelligenz voran. Doch die Herausforderungen bleiben bestehen.
SoftBank hat Tech-Giganten wie Amazon, Intel und Nvidia um Investitionen für diesen Börsengang geworben. Erinnern Sie sich an Nvidias gescheiterten Versuch im letzten Jahr, Arm für 66 Milliarden Dollar zu übernehmen? Das verleiht der Geschichte eine weitere Dimension.
Arms Verflechtung mit China ist eine tickende Zeitbombe. Die verwickelte Eigentümerstruktur, die exklusiven Lizenzrechte an Giganten wie Alibaba und Xiaomi und die politischen Spannungen zwischen den Nationen machen das Ganze zu einem Balanceakt.
SoftBanks indirekte Beteiligung von 4,8 % an Arm China, zusammen mit einer deutlich größeren Beteiligung von 48 %, die von einer SoftBank-Tochtergesellschaft gehalten wird, macht die Angelegenheit noch undurchsichtiger. Und nicht zu vergessen die angespannte Beziehung zum ehemaligen Arm-China-Chef Allen Wu.
Die Unterlagen geben auch Aufschluss über interne Herausforderungen bei Arm. Eine eklatante „wesentliche Schwäche“ in den IT-Systemkontrollen sticht besonders hervor, doch das proaktive Vorgehen des Unternehmens, diese zu beheben, lässt einen Hoffnungsschimmer aufkommen.
Ein Insider von SoftBank deutete jedoch an, dass ein erfolgreicher Börsengang, insbesondere in diesen schwierigen Zeiten, das Vertrauen in Masayoshi Sons Einfluss im Technologieinvestmentbereich stärken könnte. Die enorme Größe und die Geschichte von Arm dämpfen zwar die Risiken, doch der Markt beobachtet das Geschehen genau.
Dieser Börsengang wird nicht nur eine Finanztransaktion sein; er wird nach einer 18-monatigen Flaute ein Lackmustest für das gesamte US-amerikanische IPO-Ökosystem sein.
Und die Größen der Bankenwelt – Goldman Sachs, Barclays, JPMorgan Chase und Mizuho – führen die Entwicklung dieses Angebots an, unterstützt von 24 weiteren Finanzgiganten.
Da Arm nach dem Labor Day-Feiertag Anfang September seine Börsengangspläne präsentieren will, hofft CEO Rene Haas auf eine attraktive Belohnung von insgesamt 40 Millionen Dollar in cash und Aktien.
SoftBanks Arm enthüllt größte US-IPO-Strategie