Nachdem die Sorgen um eine schwache US-Wirtschaft nach der ersten Zinssenkung der Federal Reserve seit vier Jahren zugenommen haben, versicherte der Vorsitzende Jerome Powell der Öffentlichkeit Folgendes:
„Der US-Wirtschaft geht es im Grunde gut.“
In einer Zeit, in der die Sorgen um die Wirtschaftslage zunehmen, hält der Mann unbeirrt an seiner Überzeugung fest, dass die Dinge nicht so schlimm sind, wie sie scheinen. Aber wie viel Wahrheit steckt wirklich dahinter?
Die Inflation nähert sich dem Zielwert der US-Notenbank von 2 %. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber den jüngsten Anstiegen, auch wenn sie noch über dem optimalen Bereich liegt. Die Wirtschaftstätigkeit bleibt derweil stabil.
Powell prognostiziert für 2024 eine Wachstumsrate von 2 % und geht davon aus, dass diese Zahl bis 2027 konstant bleiben wird.
„Unsere geldpolitischen Maßnahmen orientieren sich an unserem doppelten Auftrag, maximale Beschäftigung und stabile Preise für die amerikanische Bevölkerung zu fördern. Unser Hauptaugenmerk liegt – und das zu Recht – auf der Senkung der Inflation.“
Ein Aspekt, der nicht ignoriert werden darf, ist der Arbeitsmarkt, der trotz einer historisch niedrigen Arbeitslosenquote weiterhin schwach ist.
Es steht außer Frage, dass der Arbeitsmarkt eine tragende Säule der Wirtschaft ist. Doch was geschieht im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs, wenn jetzt schon weniger Arbeitsplätze geschaffen werden?
Die Arbeitsplatzverluste könnten sich erhöhen, und plötzlich wird Powells Zusicherung hohl klingen.
Über ein Thema, das Powell offenbar nicht so gern anspricht, ist der enorme Schuldenberg der USA. Die Staatsverschuldung erreichte 2023 rund 93 % des BIP. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte sie sich der 100-%-Marke nähern.

Wenn das Vertrauen der Anleger schwindet, könnten die Kreditkosten sprunghaft ansteigen. Dies würde insgesamt höhere Zinsen bedeuten und die wirtschaftliche Erholung langfristig noch schwieriger gestalten.
Viele fortgeschrittene Volkswirtschaften sehen sich ähnlichen fiskalischen Belastungen ausgesetzt.
Die Märkte interpretieren Powells Botschaft wie üblich unterschiedlich. Einige Anleger sehen die jüngste Zinssenkung der Fed um einen halben Prozentpunkt als Anzeichen für tieferliegende Probleme. Wenn alles so gut ist, warum dann die Notwendigkeit von 50 Basispunkten?
Dies ist eine sich entwickelnde Geschichte

