Stablecoins sind mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil der Kryptoindustrie. Man kann sie nicht ignorieren, selbst wenn man es wollte. In den letzten vier Jahren sind die Transaktionen mit Stablecoins rasant angestiegen – von 17,4 Milliarden US-Dollar auf unglaubliche 4 Billionen US-Dollar.
Der gesamte Interwährungsmarkt wurde aktuell auf 94,8 Milliarden US-Dollar geschätzt, wobei Stablecoins mit 91,7 % den Löwenanteil ausmachten. Allein USDT hielt davon 83,3 %.
Doch trotz all dieser Bemühungen werden Stablecoins ihrem Namen nicht wirklich gerecht. Sie haben Probleme, vor allem weil ihnen die Unterstützung großer Finanzinstitute fehlt.
Da nun auch Regierungen in Ländern wie Hongkong und Europa ihre Regulierungsmaßnahmen in Angriff nehmen, werden sich die Dinge bald ändern.
Ich finde.
Hongkongs Spiel
Fangen wir mit Hongkong an. Die meinen es ernst. Sie wollen als erste weltweit Banken die Ausgabe von Stablecoins erlauben.
Die Regierung von Hongkong hat sich intensiv darum bemüht, einen Regulierungsrahmen zu schaffen, der das Finanzsystem im Zaum hält und sicherstellt, dass die Verbraucher nicht übervorteilt werden.
Sie machten im Juni mit einem Lizenzierungsverfahren für Anbieter von Dienstleistungen im Bereich virtueller Vermögenswerte den Anfang. Nun will die Hongkonger Währungsbehörde (HKMA) einige Regeln für Emittenten von Stablecoins lockern.
Hongkong hat die Emittenten von Fiatgeld-gedeckten Stablecoins streng im Griff. Diese Emittenten müssen über solide Reserven verfügen, die vollständig durch erstklassige Sicherheiten gedeckt sind. Außerdem müssen sie strenge Einlösungsbedingungen und weitere regulatorische Auflagen erfüllen.
Wer wagt sich nun ins Spiel? Die HKMA führt eine Liste von Unternehmen, darunter RD InnoTech Limited, JINGDONG Coinlink Technology Hong Kong Limited und Schwergewichte wie die Standard Chartered Bank (Hong Kong) Limited.
Die Sache hat jedoch einen Haken: USDT und USDC, die Platzhirsche im Stablecoin-Bereich, könnten es schwer haben, in Hongkong aktiv zu werden. Zunächst benötigen sie eine physische Präsenz in Hongkong.
Zweitens müssen sie ihre Reserven durch cash auf Banken decken, was auch die europäischen MiCA-Vorschriften vorschreiben. Und damit kommen wir zum nächsten Akteur: Europa.
Europas Karten
Europa hat mit dem MiCA, das das Europäische Parlament dieses Jahr verabschiedet hat, einige der umfassendsten Stablecoin-Regulierungen erlassen, die wir je gesehen haben. Es soll Anfang 2025 vollständig in Kraft treten.
Die Zeit drängt bereits, denn seit Juli müssen Emittenten reale Reserven bei Banken halten – mindestens ein Drittel aller Gelder zur Deckung großer Abhebungen. Zudem gelten neue Regeln für Transaktionslimits.
Nicht alle sind damit einverstanden. Tether-CEO Paolo Ardoino ist alles andere als begeistert. Er kritisiert die Idee, hohe Reserven in unbesicherten Bankeinlagen zu halten, da dies seiner Meinung nach Risiken wie Bankenpleiten aussetzt.
Laut Paolo sollten Stablecoins ihre Reserven in Staatsanleihen halten, da diese sicherer und stabiler seien. Trotz seiner Kritikpunkte zieht sich Tether aber noch nicht zurück – das Unternehmen befindet sich weiterhin im Gespräch mit den zuständigen Behörden.
Unterdessen trennen sich einige europäische Börsen bereits von Stablecoins, die sich nicht an die Regeln halten. OKX beispielsweise hat USDT bereits im März für seine EU-Nutzer aus dem Programm genommen.
Circle verfolgt mit USDC eine langfristige Strategie, hält sich an die Vorschriften und gewinnt dadurch an Beliebtheit. Kraken hingegen listet in Europa weiterhin USDT, da man weiß, wie sehr die Kunden darauf vertrauen.
Folgendes könnte passieren: Circles USDC könnte sich in Europa als großer Gewinner erweisen. Dank der Unterstützung durch MiCA könnte USDC USDT beim Marktanteil überholen und zum führenden Stablecoin in Europa aufsteigen.

