In einem kürzlich geführten öffentlichen Gespräch mit CNBC tat Gary Gensler, der Vorsitzende der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC, einmal mehr das, wofür er bekannt ist: Er attackierte Bitcoin, die erste und am weitesten verbreitete digitale Währung und vielleicht Genslers Erzfeind. Mittlerweile ist es einfach nur noch ermüdend, ihm beim Reden über Bitcoinzuzuhören.
Jedenfalls erklärte der SEC-Chef diesmal unmissverständlich, dass Bitcoin kaum das Vorbild für Dezentralisierung sei, als das er angepriesen wird. Gensler hat sich wiederholt als zentrale Figur im Kampf gegen Ransomware und andere Malware-Angriffe positioniert, was die Debatte um die Rolle von Bitcoinim modernen Finanzsystem weiter verkompliziert.
Was genau bedeutet Gensler überhaupt?
Als der CNBC-Interviewer mitten im Gespräch den Begriff „Dezentralisierung“ einbrachte, um Bitcoin im üblichen revolutionären Licht darzustellen, widersprach Gary Gensler nicht nur, sondern unterbrach ihn praktisch mit einem knappen: „Äh, so dezentralisiert ist es nun auch wieder nicht.“ Dann legte er nach und lenkte das Gespräch auf eine umfassendere, vielleicht tiefgründigere Kritik an der Tendenz des Finanzsystems zur Zentralisierung – ein Trend, der so alt ist wie das Geld selbst.
Ohne zu zögern, führte er aus: „Ja, aber es ist auch alles. Sehen Sie sich an, wie die Finanzwelt seit der Antike zur Zentralisierung tendiert.“ Sein Argument? Das Kryptowährungs-Ökosystem sei trotz seiner hochtrabenden Ideale der Dezentralisierung gar nicht so anders. Da nur wenige Akteure den Großteil der sogenannten dezentralen Vermögenswerte wirklich verstehen oder kontrollieren, dämpfte Gensler die Euphorie um Bitcoin revolutionäre Ledger-Technologie. Er reduzierte sie auf das, was sie im Grunde ist – ein Buchhaltungsbuch, wenn auch ein ausgeklügeltes. „Es ist ein Ledger, den jeder hat“, sagte er, doch sein Tonfall ließ durchblicken, dass er die weitverbreitete Faszination für diesen Aspekt etwas übertrieben fand.
Das Paradoxon inmitten der Kritik
Seit seinem Amtsantritt als Vorsitzender der SEC verfolgt Gensler im Bereich der Kryptowährungsregulierung einen stark auf Durchsetzung ausgerichteten Kurs. Seine Amtszeit ist defivon einem unerschütterlichen Engagement, auf die Risiken digitaler Vermögenswerte aufmerksam zu machen – sowohl hinsichtlich ihrer inhärenten Volatilität als auch ihres potenziellen Einsatzes in illegalen Geschäften.
Ungeachtet dessen schien er im Widerspruch zu seiner oft kritischen Haltung gegenüber dieser Anlageklasse zu stehen, als die SEC Anfang des Jahres unter seiner Aufsicht elf Spot Bitcoin -ETFs genehmigte. Allerdings waren an diese Entscheidung bestimmte Bedingungen geknüpft. Unser Experte betonte, dass die betroffenen Vermögenswerte unverändert geblieben seien, und verglich dies mit zuvor abgelehnten Anträgen, hob aber auch die positiven Entwicklungen hervor.
Wie die SEC angesichts destronWiderstands so viele Spot Bitcoin ETFs genehmigen konnte, bleibt ein Rätsel. Der komplexe Ansatz der Behörde zur Regulierung von Kryptowährungen birgt den Schlüssel zur Lösung. Obwohl Gensler die spekulative und volatile Natur von Bitcoinsehr deutlich hervorgehoben und ihn als Nährboden für Ransomware, Geldwäsche, Sanktionsumgehung und sogar Terrorismusfinanzierung bezeichnet hat, hat die SEC dennoch das wachsende Interesse von Institutionen und die Möglichkeit regulierter Anlageprodukte in diesem Bereich anerkannt. Diese Ambivalenz verdeutlicht das komplizierte regulatorische Umfeld, in dem Innovation und Risiko allgegenwärtig sind und ein Mittelweg erforderlich ist, der die Entwicklung nicht behindert, aber gleichzeitig Missbrauchsmöglichkeiten ignoriert.

