Kommen wir gleich zur Sache. Der einst hochfliegende und nun bankrotte Krypto-Gigant FTX hat endlich eine Einigung über seine europäischen Aktivitäten erzielt und damit einen Streit beigelegt, der sich so verwickelt hatte wie Kopfhörerkabel in der Hosentasche. FTX Europe wurde für satte 32,7 Millionen US-Dollar an die ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben. Dieser Schritt schreit förmlich: „Wir haben einfach keinen anderen Käufer gefunden“, wenn man bedenkt, dass FTX das Schweizer Startup Digital Assets AG (DAAG), aus dem FTX Europe hervorging, 2021 für sage und schreibe 323 Millionen US-Dollar erworben hatte.
Bevor wir tiefer in die Materie einsteigen, sollten wir eines klarstellen. FTX versuchte mit allen Mitteln, die für diese Übernahme aufgewendeten cash zurückzubekommen. Sie gingen sogar so weit, zu klagen, da sie behaupteten, Kundengelder für den Kauf verwendet und deutlich mehr bezahlt zu haben, als nötig gewesen wäre. Patrick Gruhn und Robin Matzke, die Köpfe hinter dem Startup, ließen sich das nicht gefallen. Sie wehrten sich und forderten 256,6 Millionen Dollar von FTX. Nach einem wohl endlos scheinenden juristischen Hin und Her beendeten sie den Streit schließlich am 21. Februar.
Die Geschichte wird immer verworrener
Nach der Insolvenz wollte jede Kryptobörse, die noch etwas auf sich hielt, ein Stück vom Kuchen von FTX Europe abhaben und sich einen Anteil am Markt sichern. Namen wie Coinbase stürzten sich förmlich darauf und versuchten gleich zweimal, den Deal abzuschließen. Auch andere wie Trek Labs und Crypto.com mischten kräftig mit. Trotz des Chaos gelang es FTX Europe, den Betrieb für seine europäischen Kunden aufrechtzuerhalten und im März 2023 eine Website für Auszahlungsanfragen zu starten – ein Schritt, der dem Öffnen der Notausgänge nach der Landung eines Flugzeugs gleichkam.
Mitten im Abschluss des Insolvenzverfahrens hat FTX alles daran gesetzt, seine Schulden zu begleichen und seinen Kunden Milliardenbeträge zurückzuzahlen. Im Rahmen dieses ehrgeizigen Plans, das drohende finanzielle Loch zu stopfen, erhielt das Unternehmen sogar die Genehmigung, Aktien des KI-Unternehmens Anthropic im Wert von über einer Milliarde Dollar zu veräußern.
Sam Bankman-Fried, oder SBF, wie ihn die Szene nennt, erschien erstmals seit seiner Verurteilung vor Gericht und gab damit seine mediale Unsichtbarkeit auf. Er wollte einen möglichen Interessenkonflikt mit seinem Anwaltsteam ausräumen und gab grünes Licht für die Vertretung durch Anwälte, die auch den ehemaligen Celsius-CEO Alex Mashinsky, einen weiteren prominenten Mandanten, betreuen. In diesem juristischen Hin und Her verzichtete SBF auf sein Recht auf eine konfliktfreie Verteidigung – ein ebenso überraschender wie strategisch kluger Schritt.
Verwandte Entwicklungen
Sam Bankman-Fried, der ehemalige CEO von FTX, erschien kürzlich vor Gericht – einer der wenigen öffentlichen Auftritte seit seiner Inhaftierung. Dieser Auftritt erfolgt im Vorfeld seiner Urteilsverkündung am 28. März und gibt einen Einblick in die Zeit nach der Verurteilung für eine Persönlichkeit, die einst die Welt der Kryptowährungen beherrschte. Fotos zeigen Bankman-Fried zusammen mit anderen Häftlingen.
Dieser Gerichtstermin unterstrich Bankman-Frieds Entscheidung, auf sein Recht auf Anwälte ohne potenzielle Interessenkonflikte zu verzichten und sich stattdessen den Anwälten Marc Mukasey und Torrey Young anzuschließen. Diese Anwälte vertreten auch Alex Mashinsky, den ehemaligen CEO von Celsius und eine weitere prominente Persönlichkeit der Kryptowährungsbranche.

