In einer kürzlich vor Gericht ausgesagten Aussage erhob FTX-Mitbegründer Gary Wang schwere Vorwürfe des Betrugs gegen Sam Bankman-Fried und dessen engsten Kreis. Wang, der Bankman-Fried seit ihrer gemeinsamen Schulzeit kennt, bekannte sich schuldig und erklärte sich bereit, mit den Behörden in den laufenden FTX-Ermittlungen zu kooperieren. Diese Enthüllung löste in der Krypto-Community einen Schock aus. Wang legte die Machenschaften von Alameda Research, einem von Bankman-Fried gegründeten Handelshaus, und dessen Verbindung zu FTX offen.
FTX-Mitbegründer enthüllt Insiderdetails bei FTX
Der FTX-Mitbegründer erklärte, Alameda habe uneingeschränkten Zugriff auf Kundeneinlagen bei FTX, einer eng mit FTX verbundenen Kryptobörse, gehabt. Dieser Zugriff ermöglichte es Alameda, unbegrenzt Gelder abzuheben und sogar ein negatives Guthaben zu halten. Bis zum Zusammenbruch von FTX hatte Alameda laut Wangs Aussage unglaubliche 8 Milliarden US-Dollar von der Plattform abgezogen und einen atemberaubenden Kreditrahmen von 65 Milliarden US-Dollar in Anspruch genommen. Was Alameda von anderen Market Makern auf FTX unterschied, war das schiere Ausmaß seiner Verschuldung.
Der FTX-Mitbegründer merkte an, dass die meisten Market Maker typischerweise Kreditlinien im ein- oder zweistelligen Millionenbereich hätten, während Alamedas Kreditlinie Milliardenhöhe erreichte, was das Ausmaß der finanziellen Manöver verdeutlichte. Während seiner Aussage gab Wang auch Einblicke in die Finanzstrukturen innerhalb von FTX. Der FTX-Mitbegründer gab an, ein Jahresgehalt von 200.000 US-Dollar zu beziehen und 17 % der Firmenanteile zu halten. Im krassen Gegensatz dazu besaß Sam Bankman-Fried, der ebenfalls FTX-Mitbegründer war, den Löwenanteil des Unternehmens, angeblich rund 65 %. Diese erhebliche Diskrepanz in den Eigentumsanteilen warf Fragen nach den Machtverhältnissen innerhalb der Organisation auf.
Die Aussage des FTX-Mitbegründers verdeutlichte das Ausmaß von Bankman-Frieds Kontrolle und Einfluss auf Alameda Research. Bankman-Fried besaß mit 90 % die Mehrheit an Alameda Research, während Wang lediglich 10 % hielt. Trotz dieses Ungleichgewichts schilderte Wang detailliert, wie er 200.000 US-Dollar für private Zwecke aus dem Unternehmen entnehmen durfte und Zugriff auf bis zu 300 Millionen US-Dollar hatte, um in andere Startups zu investieren. Innerhalb der FTX-Organisation konzentrierte sich Wangs Rolle offenbar eher auf Programmierung und technische Aspekte, während Bankman-Fried für die Öffentlichkeitsarbeit wie Lobbyarbeit und Medienkontakte zuständig war.
FTX und die Folgen zweifelhafter Investitionen
Diese Arbeitsteilung deutete auf eine klare Trennung ihrer Rollen und Verantwortlichkeiten innerhalb des Unternehmens hin. Matt Huang, geschäftsführender Gesellschafter der Risikokapitalgesellschaft Paradigm, sagte ebenfalls im Verfahren aus. Huang gab bekannt, dass seine Firma beträchtliche 278 Millionen US-Dollar in Bankman-Frieds Unternehmen investiert hatte. Er bedauerte die Investition jedoch und erklärte, Paradigm hätte diese Summe nicht bereitgestellt, wenn man von der Abzweigung von Geldern an Alameda Research gewusst hätte. Infolge dieser Enthüllungen wertete Paradigm seine Investition auf null ab, was die schwerwiegenden Konsequenzen dieser mutmaßlichen finanziellen Unregelmäßigkeiten verdeutlichte.
Huangs Aussage berührte auch Bedenken hinsichtlich der Führungsstruktur von FTX. Er erwähnte, dass Paradigm anfänglich Vorbehalte gegenüber der von ihm als „einzigartig“ bezeichneten Führungsstruktur von FTX hatte. Im Kreuzverhör gab Huang zu, dass Paradigm einen Sitz im Aufsichtsrat von FTX angestrebt hatte – ein Anliegen, das nicht nur sein Unternehmen verfolgte. Dies deutete darauf hin, dass mehrere Investoren die Transparenz und die Entscheidungsprozesse innerhalb des Unternehmens hinterfragt hatten. Ein weiteres im Verfahren angesprochenes Thema war das sogenannte Frontrunning, also der Handel mit Insiderinformationen. Huang gab an, dass Paradigm Bedenken hinsichtlich dieser Praxis geäußert hatte.
Er erklärte jedoch, Bankman-Fried habe ihnen versichert, dass Alameda Research auf der Kryptobörse FTX keine Vorzugsbehandlung erhalten habe. Der laufende Prozess hat in der Kryptowährungsbranche große Aufmerksamkeit erregt, da er wichtige Fragen zur Transparenz, Unternehmensführung und zum ethischen Verhalten prominenter Persönlichkeiten und Organisationen im Kryptobereich aufwirft. Der Ausgang dieses Verfahrens wird zweifellos weitreichende Folgen für die zukünftige Regulierung und Verantwortlichkeit im Kryptowährungsbereich haben.
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