Die Insolvenzgeschichte der einst mächtigen Kryptobörse FTX nahm diese Woche eine weitere Wendung. Die Insolvenzverwalter der Börse kritisierten öffentlich Händler und Market Maker eines wichtigen Gläubigergremiums. Der Streitpunkt? Der Vorwurf, diese Händler seien mehr an der Kontrolle der FTX-Vermögenswerte interessiert als an den weitreichenden Folgen für alle Beteiligten.
Dieser Streit folgt unmittelbar auf einen im letzten Monat vom neuen Managementteam von FTX unter der Leitung von Chief Restructuring Officer John J. Ray III. vorgelegten Sanierungsplanentwurf. Der offizielle Gläubigerausschuss hat diesen Plan beanstandet und behauptet, nicht ausreichend konsultiert worden zu sein. Er argumentiert, FTX cash und Token-Vermögenswerte besser nutzen
In einer am Mittwoch eingereichten Gegendarstellung erklärte das Anwaltsteam von FTX jedoch, dass es ausführliche Gespräche zwischen beiden Parteien gegeben habe. Sie deuteten zudem an, dass die Einwände des Gläubigergremiums eher von Einzelinteressen als vom gemeinsamen Interesse aller Beteiligten motiviert seien.
Bedenken hinsichtlich „unbeschränkter“ Händler
Die Rechtsvertreter von FTX haben Bedenken hinsichtlich der Absichten des Gläubigergremiums geäußert. Sie vermuten, dass dessen Vorgehensweise auf den Wunsch hindeutet, die Milliarden an liquiden Vermögenswerten von FTX zu kontrollieren. Diese Kontrolle, so befürchten sie, würde an „uneingeschränkte Krypto-Händler und Market Maker“ übertragen
Zur Einordnung: Das von Sam Bankman-Fried gegründete FTX-Imperium brach im vergangenen November in einem Skandal zusammen, den die Staatsanwaltschaft als einen der größten Finanzbetrügereien in der Geschichte der USA bezeichnet hat. Als FTX.com Insolvenz anmeldete, schuldete das Unternehmen seinen Kunden die unglaubliche Summe von 8,7 Milliarden US-Dollar. Seitdem konnten etwa 7 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln zurückgewonnen werden.
Der offizielle Gläubigerausschuss hat FTX mehrere Vorschläge unterbreitet. Einer davon ist, einen Teil der cash von fast 2,6 Milliarden US-Dollar in kurzfristige Staatsanleihen zu investieren. Dies könnte zusätzliche Einnahmen für die Insolvenzmasse generieren, insbesondere angesichts der bereits in nur acht Monaten angefallenen Anwaltskosten von über 330 Millionen US-Dollar.
Portfoliomanagement und Staking
Ein weiterer wichtiger Streitpunkt zwischen FTX und dem Gläubigerausschuss betrifft die Verwaltung der Kryptobestände von FTX. In einer Eingabe vom 31. Juli empfahl der Ausschuss FTX, einen strukturierteren Ansatz für die Verwaltung seiner Krypto-Assets . Dies schließt Staking ein, bei dem Token hinterlegt werden, um den Betrieb einer Blockchain zu unterstützen und dadurch potenziell Belohnungen zu erhalten.
Die Berater von FTX haben dieser Vermutung jedoch widersprochen. Sie behaupten, das Gläubigergremium habe sich gegen den Verkauf von Vermögenswerten ausgesprochen, der dem Insolvenzvermögen dringend benötigte Liquidität . Stattdessen werfen sie dem Gremium vor, eine Strategie zu bevorzugen, die das langfristige Halten bedeutender Krypto-Vermögenswerte vorsieht.
Die vom Gläubigergremium vorgeschlagene Investition in Staatsanleihen bedarf der Zustimmung des Insolvenzgerichts. Die Berater von FTX weisen darauf hin, dass ein solches Investment Risiken birgt. Sie argumentieren, dass das Gläubigergremium zwar möglicherweise bereit sei, in der Hoffnung auf höhere Renditen zu spekulieren, der unabhängigedent von FTX jedoch andere, aussichtsreichere Vorgehensweisen für möglich hält.
Abschluss
Die Insolvenzanmeldung von FTX hat auch andere Probleme mit dem Gläubigerausschuss offengelegt. So äußerten sie beispielsweise Frustration über die Zurückhaltung des Ausschusses, sich persönlich zu treffen; einige Mitglieder blieben sogar während der Zoom-Konferenzen anonym. Zudem gab es Vorwürfe „unprofessionellen Verhaltens“ einzelner Mitglieder. Eine der heikelsten Fragen in diesem Insolvenzverfahren ist der Umgang mitdentInformationen über potenzielle Token-Verkäufe. Dies gestaltet sich besonders schwierig, da Market Maker und Händler im Gläubigerausschuss handeln dürfen, obwohl sie dies ausdrücklich ablehnen.
Die Administratoren der FTX-Börse geraten mit einem Gläubigergremium wegen der Vermögenskontrolle aneinander