Die gestrige Entscheidung der US-Notenbank, die Zinssätze um 50 Basispunkte zu senken, hat bei vielen Menschen die Frage aufgeworfen, ob dies zu einer weiteren Rezession führen könnte.
Als die letzten beiden Male die Zinsen um mehr als 50 Basispunkte gesenkt wurden, rutschte die Wirtschaft einige Monate später in eine Rezession.
Die Geschichte spricht nicht für die Fed
Das erste Mal geschah dies am 3. Januar 2001. Das Ergebnis? In den darauffolgenden 448 Tagen fiel der S&P 500 um fast 39 % und die Arbeitslosigkeit stieg sprunghaft um 2,1 %.
Die darauffolgende Rezession war auf das Platzen der Dotcom-Blase zurückzuführen und wurde durch die Anschläge vom 11. September noch verschärft.
Am 18. September 2007 wiederholten sie das Ganze. Eine weitere Zinssenkung um 50 Basispunkte, und der S&P 500 stürzte in den folgenden 372 Tagen um 54 % ab.

Die Arbeitslosigkeit stieg um 5,3 %. Die Rezession dauerte bis Mitte 2009 an und wurde durch den Zusammenbruch des Immobilienmarktes und eine globale Finanzkrise noch verschärft.
Aber die Sache hat einen Haken. Diesmal sind die Anzeichen etwas uneinheitlich. Die Inflation hat sich abgeschwächt und ist im August unter 5 % gefallen.
Das Zinsziel der US-Notenbank liegt bei 2 %, und ihr geldpolitischer Ausschuss ist überzeugt, mit den jüngsten Anpassungen auf dem richtigen trac. Doch der Arbeitsmarkt befindet sich in einer schwierigen Lage. Die Arbeitslosenquote ist im August von 4,1 % im Juni auf 4,3 % gestiegen – der höchste Wert seit drei Jahren. Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu früheren Rezessionen immer noch relativ niedrig.
Das BIP-Wachstum erreichte im zweiten Quartal eine annualisierte Rate von 3,0 %, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem moderaten Wachstum von 1,4 % im ersten Quartal. Ökonomen prognostizieren jedoch, dass es sich im dritten Quartal auf etwa 0,6 % verlangsamen könnte, da hohe Preise und hohe Zinsen die Konsumausgaben belasten.
Das Ziel der Fed, eine sanfte Landung zu erreichen, könnte schwieriger sein als angenommen. Ein Vergleich der aktuellen Wirtschaftsindikatoren mit denen von 2001 und 2007 verstärkt diese Bedenken.
Im September 2024 wird der Leitzins der US-Notenbank (Federal Funds Rate) zwischen 4,75 % und 5,00 % liegen. Vor der Rezession von 2001 lag er bei rund 6,5 %. Vor 2007 betrug er etwa 5,25 %. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 4,3 %. Vor 2001 lag sie bei 4,0 % und vor 2007 bei 4,6 %.

Trotz dieser Parallelen deuten einige Faktoren darauf hin, dass eine Rezession nicht unausweichlich ist. Die US-Notenbank argumentiert, dass die Risiken im Gleichgewicht seien. Sie sieht den Arbeitsmarkt und die Inflation als stabil an, anders als in der Vergangenheit, als gravierende Ungleichgewichte zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch führten.
Dennoch. Die Geschichte zeigt, dass Zinssenkungen dieser Größenordnung IMMER zu einer Rezession geführt haben. Sollte es der Fed gelingen, eine solche zu vermeiden, wäre das ein Novum.
Die Märkte zeigen anfängliche positive Tendenzen, Kryptowährungen hingegen nicht
Der Aktienmarkt gilt oft als Frühindikator für die wirtschaftliche Lage. Nach der Zinssenkung 2001 fiel der S&P 500 um fast 40 %. Der Nasdaq verlor rund 80 % seines Wertes. Verschärft wurde die Marktpanik durch Unternehmensskandale wie Enron und die Anschläge vom 11. September. Es dauerte Jahre, bis sich der Markt erholte.
In der Rezession von 2007 bis 2009 brach der S&P 500 um rund 57 % ein. Die Finanzkrise führte zu massiven Kursverlusten, und große Institutionen benötigten staatliche Hilfen. Das Vertrauen der Anleger war erschüttert. Die Erholung verlief schleppend und schmerzhaft; viele Aktien erreichten ihr Vorkrisenniveau erst nach fast einem Jahrzehnt wieder.

Gestern reagierte der Markt zunächst positiv auf die Zinssenkung. Dieser Optimismus könnte jedoch nur von kurzer Dauer sein.
Die Kryptomärkte reagierten derweil nicht wie von den Anlegern erhofft. Ether schaffte es nicht einmal, die 2.500-Dollar-Marke zu durchbrechen, und Bitcoin erreichte lediglich einen Anstieg von 60.000 auf 62.000 Dollar. Nicht gerade der erhoffte Aufwärtsimpuls.
Was könnte also nun passieren? Wenn die Arbeitslosigkeit in den nächsten 3 bis 6 Monaten weiter steigt und die Konsumausgaben sinken, könnte eine Rezession einsetzen.
Wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen, könnte eine allmähliche Verlangsamung innerhalb von 6 bis 12 Monaten zu einer Rezession führen.
Sollten sich die Bedingungen hingegen stabilisieren und Konsumausgaben und Inflation unter Kontrolle bleiben, könnte die US-Wirtschaft einen Abschwung vermeiden.

