Die Kryptowährungswelt kann ebenso tückisch wie lukrativ sein. Im einen Moment reitet man auf einer Aufwärtswelle, im nächsten sitzt man in einer Bärenfalle. Bitcoin, der Urvater aller digitalen Währungen, erlebte kürzlich einen weiteren Kurssturz. Doch was ist die Ursache für diesen jüngsten Preisverfall?
Schatten vergangener Marktzyklen
Ein Vergleich historischer Daten kann Aufschluss geben. Analysten haben festgestellt, dass die aktuellen Markttrends dem Vor-Bullenmarktzyklus von 2015–2017 ähneln.
Gerade als alle glaubten, Bitcoin würde dank Grayscales juristischem Sieg über die SEC ein Comeback feiern, wurden diese Hoffnungen zunichte gemacht. Die Gewinne, die zunächst vielversprechend aussahen, schmolzen im Zuge des anhaltenden Kursverfalls vom September rapide dahin.
Auch 2023 begann nicht gut. Diejenigen, die gegen Bitcoin gewettet hatten, konnten sich über hohe Gewinne freuen. Die Bullen hingegen erlebten am 17. August ein böses Erwachen. Einmatic Flash-Crash, wie er seit dem Zusammenbruch von Terra Luna im Mai 2022 nicht mehr vorgekommen war, vernichtete an einem einzigen Tag Long-Positionen im Wert von über 213,5 Millionen US-Dollar.
Nach diesem Fiasko verzeichnet die Kryptowelt einen stetigen Kapitalabfluss aus normalerweise stabilen Anlagen wie Bitcoin und seinem entfernten Verwandten Ethereum. Es geht hier nicht um unerhebliche Summen. Seit Jahresbeginn verzeichnen wir durchschnittliche tägliche Verluste in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar.
Die Bären übernehmen das Steuer
Man könnte argumentieren, dass die Begeisterung für Bitcoin Derivate deutlich nachgelassen hat. Angesichts des sinkenden offenen Interesses prognostizieren einige Experten düster einen Kursverfall Bitcoin auf 22.000 US-Dollar in absehbarer Zeit.
Wenn Long-Positionen liquidiert werden und das Handelsvolumen nicht ausreicht, um neue Käufe zu tätigen, ist das ein schlechtes Zeichen für Bitcoin-Kurs – und genau das passiert derzeit. Das Handelsvolumen von Bitcoin ist auf ein Niveau gesunken, das zuletzt Anfang 2021 erreicht wurde, und ist um sage und schreibe 98 % eingebrochen.
Der Fear & Greed Index, ein Indikator für die Anlegerstimmung, tendierte im letzten Monat deutlich in Richtung Angst. Aus einer zuvor ausgeglichenen Position heraus hat sich der Wert stark verändert und signalisiert nun eine gestiegene Nervosität am Markt.
Regelung: Segen oder Fluch?
Die langfristige Vision institutioneller Anleger scheint durch die kurzfristigen Unsicherheiten am Markt nicht wesentlich beeinflusst worden zu sein. Angesichts des zunehmend schwierigen regulatorischen Umfelds in den USA drängen große Institutionen auf Bitcoin-basierte Finanzinstrumente, die einen Aufwärtstrend neu entfachen könnten. Derzeit warten neun namhafte Investmentfirmen mit ihren ETF-Anträgen auf die Genehmigung der SEC.
Doch die Dringlichkeit scheint nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Bitwise hat seine ETF-Anträge für Bitcoin und Ether zurückgezogen. Es wird immer deutlicher, dass die SEC es nicht eilig hat, Bitcoin -ETFs zu genehmigen. Nehmen wir beispielsweise den Antrag von BlackRock. Die Entscheidung könnte bis 2024 aufgeschoben werden, und solche Verzögerungen können die Anlegerstimmung dämpfen und den Markt weiter destabilisieren.
Wie auf Kommando kursieren Gerüchte, BlackRock manipuliere den Bitcoin Kurs im Vorfeld der ETF-Einführung. Solchen Behauptungen sollte man jedoch unbedingt skeptisch begegnen. Für einen Giganten wie BlackRock birgt ein sinkender Bitcoin Kurs mehr Risiken als Vorteile.
Einfluss externer Faktoren
Es gilt jedoch, das Gesamtbild zu berücksichtigen. Makroökonomische Ereignisse wie Chinas jüngste Entscheidung zur Legalisierung virtueller Vermögenswerte und die mögliche Übernahme einer Lizenz für einen in Hongkong ansässigen Anbieter von Dienstleistungen für virtuelle Vermögenswerte durch die OKX-Börse konnten den Rückgang von Bitcoindennoch nicht verhindern.
Schließlich spielen auch Äußerungen einflussreicher Persönlichkeiten eine Rolle. Als der Vorsitzende der US-Notenbank, Jerome Powell, in seiner Rede in Jackson Hole, Wyoming, die Fortsetzung einer aggressiven Zinspolitik andeutete, deutete dies auf einen längeren Zeitraum im Kampf gegen die Inflation hin. Solche Entscheidungen ripple zweifellos auch auf den Kryptomarkt aus.
Abschließend lässt sich sagen, dass der Weg des Bitcoinstets turbulent war. Und obwohl Pantera Capital optimistisch einen Wert von 148.000 US-Dollar bis Juli 2025 prognostiziert, wird der Weg dorthin zweifellos mit Herausforderungen gepflastert sein. Wie immer gilt: Geduld ist gefragt.
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